Farmbetrieb

Herzlich willkommen auf dem Gelände eines etwas „anderen“ landwirtschaftlichen Betriebes. Wir sind die einzige Farm Namibias, die biologisch-dynamisch wirtschaftet. Dadurch arbeiten wir nach ökologisch-sozialen und nachhaltigen Gesichtspunkten. Eine weitere Besonderheit ist die Vielfalt an landwirtschaftlichen Produktionsbereichen. Wir laden Sie gern zu einem Rundgang ein!

Aus unserem biologisch-dynamischen Anbau bieten wir hausgemachte Farmprodukte, wie Milch, Quark, Gemüse und Fleisch direkt bei uns in der Farmküche im Farmhaus an. Frischgebackenes Brot, das wir in Zukunft aus selbstangebautem Getreide herstellen werden, gehört ebenso dazu.

Die Farmprodukte werden jeden Samstag auf dem Green Market von 8 bis 12 Uhr, in Windhoek, Dr. Kenneth Kaunda Street, verkauft.

Der landwirtschaftliche Betrieb auf Krumhuk, der komplett unter biologisch-dynamischen Gesichtspunkten bewirtschaftet wird, beinhaltet:

  • Fleischverarbeitung (von farmeigenen Wild und Rind)
  • Milchverarbeitung
  • Schattengewächshaus für Gemüse- und Kräuteranbau
  • Futteranbau

Zukünftig wird eigenes Getreide auf einem 400 ha großen Gebiet im Norden Namibias angebaut, so dass wir auch das Getreide für unser beliebtes Farmbrot nach Demeter-Richtlinien selbst anbauen können.

Unsere Rinderherden, Mutterkuhherden und eine Milchkuhherde weiden ganzjährig unter freiem Himmel auf dem gesamtem Farmgelände.

Um erfolgreich farmen zu können, wird Wasser benötigt. Wir beziehen unser Wasser aus Bohrlöchern oder Dämmen, in denen wir Regenwasser stauen. Wassermangel ist an der Tagesordnung und bei jeder Anbauplanung der begrenzende Faktor. Die Zukunftsplanung geht in Richtung der erneuerbaren Energien und innovativen Entwicklungen wie das „Rainwater-harvesting“.

Auf der Krumhuk Farm ernährt sich die Gemeinschaft bereits bis zu 70% mit farmeigenen Produkten.

Das Jahr 2014 auf Eichenbach - Ein Bericht

Alle Ackerbau-Farmer „starren“ jedes Jahr im Oktober und November wie gebannt auf die ersten Regenfälle; und die blieben zunächst mal aus nach der Dürre. Dann aber, im Dezember, wurden es 150 mm und das Ackern konnte beginnen. Der Januar sorgte mit 2 Wochen Hitze und zwischenzeitlichen Temperaturen um 40 Grad für einen „Trockenschock“ und die schon gesäten Bestände litten. Dann aber drehte sich die Situation ins Gegenteil: Der Februar mit 300mm und der März mit 200 mm sorgten dafür, dass wir zeitweise „absoffen“. Die gesamte Regenzeit bis in den Mai hinein brachte dann 800 mm, ca. 30% mehr als der Jahresdurchschnitt. So war nach langem Mangel am Ende genug für alle da.

Die Rinderherde wuchs um 20 Kopf auf 78; damit auch der Mistanfall um das 4-fache auf ca. 200 m³, wobei es uns dieses Jahr das erste Mal gelungen ist, Einstreumaterial aus Haferstroh und Dreschresten von Mais, Bohnen und Sonnenblumen, sowie ausgesiebtem Material aus der Reinigung zu gewinnen. Die Futtersituation war zunächst prekär nach der Dürre und alle Vorräte waren verfüttert. Durch frühe Aussaaten von Futtersorghum, das wir frisch fütterten, entspannte sich die Situation. Im Januar/Februar dann mussten die Tiere nochmal durchhalten, was eigentlich "durchhungern" für sie bedeutete, und dann endlich war es genug. Wir ernteten 450 m³ Sorghumsilage und heute noch weiden die Tiere tagsüber auf grünem Sorghum, dem Nachwuchs der Körnerernte. Im Juni kamen 22 Damaraschafe dazu, Fettschwanzschafe, die angepasst an marginale Bedingungen sind. Mit weiteren 9 Lämmern ist die kleine Herde auf 31 angewachsen und stromert im Moment um das Haus herum. Aber auch sie müssen nachts im Kraal stehen und von Heu und Silage leben. Zusammen mit einer Handvoll Katzen ist dies unser Haustierbestand.

An Krumhuk konnten ca. 1250 Ballen Luzerneheu geliefert werden. Das war damit die erste Sendung dieser Art, um die Futtersituation der dortigen Milchviehherde zu verbessern.

Im März wurden wir von der hiesigen "Namibian Organic Association" zertifiziert und bekamen den „full organic“ Status. Wir konnten den Zukauf von Guano reduzieren und die Bodenfruchtbarkeit steigt „gefühltermaßen“; das heißt, der Boden fällt leicht beim Bearbeiten, auch dort, wo kein Dünger hinkommt, wächst mehr als nur Unkraut. Auch die Leguminosen haben einen Schub gemacht in der Entwicklung der Bestände, nachdem sie in den ersten beiden Jahren nur mickerten.

Im April haben wir dann mit Unterstützung von Freunden aus Südafrika (U. Feiter, Parceval Pharmaceutica.ls) ein neues Projekt in Angriff genommen: Die Gewinnung von Sonnenblumen Blütenblättern als getrocknete Droge. Die Ernte und Trocknung war mit viel Handarbeit verbunden und die Sorge war, gute Zeit-Arbeitskräfte dafür zu bekommen. Das klappte aber sehr gut und so konnten wir knapp 330 kg getrocknete Blütenblätter liefern. Alles ging das erste mal sehr provisorisch über die Bühne, aber wir konnten das Dank der Beratung von Ulrich Feiter bewerkstelligen. Nächstes Jahr planen wir 500 kg zu liefern. Das sind ca. 4000 kg Frischmasse und bei ca. 3 g pro Blütenkopf macht das...

Im Juni begann die Körnerernte – Sorghum von 57ha brachte ca. 120 t Verkaufsware, Mais von 40 ha ungefähr 80 t, Sonnenblumen von 33 ha ca. 30 t und bei den Cowpeas ernteten wir ca. 8 t von einem Teil des Bestandes (30 ha). Das sind für uns gute bis befriedigende Erträge. Leider sitzen wir noch auf den Bohnen/Cowpeas, während Mais und Sonnenblumen alle verkauft, bestellt oder nach Krumhuk zur Ölgewinnung gebracht worden sind. Beim Sorghum kooperieren wir mit einem anderen Farmer, und zusammen hatten wir fast doppelt soviel, wie der Futtermittelhandel aufnehmen kann. Jetzt sind wir dabei, den lokalen Markt langsam zu entwickeln. So werden wir zum Schluss wohl auch das Sorghum los.

Bei den Mengen gerieten wir mit der Ernte und Lagerung in einen Engpass. Der Betrieb, der 30 Jahre lang vornehmlich Mais angebaut hat und direkt bei der Mühle abgeliefert hatte, ist auf die Menge und Vielfalt nicht eingestellt. Eigentlich alles bis auf den Weißen Mais wurde zunächst mal in big bags gelagert, worin ein Teil auch jetzt noch unter freiem Himmel lagert. Lagerung und Aufbereitung sind nach der Erntetechnik die Bereiche, bei denen dringend Handlungsbedarf besteht.

Mitte des Jahres haben wir noch zwei Bohrlöcher rehabilitiert. Eines für unseren täglichen Bedarf für Mensch und Tier und ein weiteres als Reserve und für Bewässerungszwecke. Dieses Bohrloch musste ganz neu hergestellt werden, denn es war verschüttet. Beim Probepumpen kamen wir dann auf ca. 20 m³/h, wodurch sich ergab, dass damit ca. zwei bis drei Hektar bewässert werden können. Dies wird ein mögliches Projekt, wenn wir in die nötige Technik investieren können. Auf den Bewässerungsflächen wären dann zwei Ernten pro Jahr machbar. Im Anbau würden mir da im Winter Roggen und im Sommer Kartoffeln, im Wechsel mir einjähriger Luzerne, vorschweben. So könnten wir das Sauerteigbrot in der Krumhuker Bäckerei mit unseren Roggen beliefern und den endlosen Markt von Kartoffeln bedienen.

Unser finanzielles Überleben nach dem Jahr ohne Einnahmen war nur möglich durch ein Darlehen der Basler Gemeinschaftsbank. Ein Teil dieses Darlehens wurde verwendet, um den Betrieb weiter am Laufen zu halten, ein anderer Teil, um Trecker und Landmaschinen zu kaufen und die zwei Bohrlöcher zu rehabilitieren bzw. neu zu bohren. Ein weiterer Teil, um die Bäckerei und Müllerei (Knetmaschine und Mühle) in Krumhuk auszustatten, sowie Gerätschaften für die Ölgewinnung aus Sonnenblumen (Ölpresse und Filterpresse), ebenfalls in Krumhuk, anzuschaffen.

Ja, und dann wird es auch deutlich, dass wir mit fünf permanenten Angestellten so einen großen „Bauernhof“, Gemischtbetrieb nicht hinbekommen. Wir brauchen gerade für die Ernteaufbereitung, die Sonnenblumen-Blütenblätter und wenn dann noch Bewässerung aufs Programm kommt, noch einen permanenten Mitarbeiter. Außerdem gibt es bei uns ganz viel zu lernen für die Trainees der Landbauschule. Da müssen aber erstmal die Unterkünfte her. Wir hoffen, dass dies durch ein Projekt von Jörg Probst und Verena Bommes nächstes Jahr in Angriff genommen wird. Die Planung läuft und Architektinnen messen und zeichnen. Mehr dazu vielleicht in einem gesonderten Bericht.

Zusätzlich haben wir in diesem Jahr viele Zeitarbeiterinnen – zur Sonnenblumen-Blütenernte, Bohnen- und Maisernte, auf dem Betrieb gehabt. Zum Glück haben wir durch Vermittlung Zugang zu einem guten Pool von Frauen aus Grootfontein bekommen. So waren im April, Mai und Juli, August meistens 10-12 Arbeiterinnen vor Ort, die wir morgens aus dem Dorf geholt und abends zurück gebracht haben. Dadurch wurde der „männerlastige“ Betrieb zeitweise etwas aufgelockert und bunter. Es wurde viel gelacht.

Ralph Ahlensdorf

Den Bericht können Sie hier auch als PDF-Dokument (80 kByte) herunterladen.